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Eignungsprüfung Kommunikationsdesign lösen: So entwickelst du Logo und Verpackung Schritt für Schritt

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Wer sich für ein Studium im Kommunikationsdesign bewirbt, kennt häufig dieselbe Sorge: Was mache ich, wenn ich in der Eignungsprüfung plötzlich ein Logo, eine Verpackung oder einen vollständigen Markenauftritt entwickeln soll? Diese Unsicherheit erleben wir seit vielen Jahren in unseren Mappenkursen der Akademie Ruhr. Viele Bewerberinnen und Bewerber können gut zeichnen und verfügen über kreative Ideen. Unter Zeitdruck geraten sie trotzdem ins Stocken, weil ihnen ein klarer Arbeitsprozess fehlt.

Genau deshalb zeigen wir in diesem Beitrag anhand einer typischen Prüfungsaufgabe, wie sich eine komplexe Gestaltungsaufgabe sinnvoll gliedern lässt. Vom ersten Verständnis der Aufgabenstellung über die Entwicklung eines reduzierten Logos bis zur Verpackung und zum digitalen Mock-up erhältst du einen vollständigen Einblick in einen professionellen Designprozess.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, eine fertige Lösung zu kopieren. Eine Eignungsprüfung im Kommunikationsdesign prüft nicht, ob du einen bestimmten Stil nachahmen kannst. Sie soll zeigen, wie du Informationen analysierst, gestalterische Entscheidungen triffst, Varianten entwickelst und deine Idee verständlich präsentierst. Genau dieser nachvollziehbare Weg ist häufig wichtiger als ein makelloses Endergebnis.

Inhaltsverzeichnis

 

Warum Hochschulen Logo- und Verpackungsaufgaben stellen

Viele Studieninteressierte glauben, Hochschulen wollten in einer Eignungsprüfung vor allem besonders schöne Zeichnungen sehen. Unsere Erfahrung aus zahlreichen Mappenberatungen und Kursen zeigt jedoch, dass der gestalterische Denkprozess mindestens ebenso wichtig ist. Professorinnen und Professoren möchten erkennen, ob Bewerber eine offene Aufgabe strukturieren, unterschiedliche Lösungswege entwickeln und ihre Entscheidungen begründen können.

Eine Aufgabe aus dem Bereich Logo- oder Verpackungsdesign macht viele dieser Fähigkeiten unmittelbar sichtbar. Sie zeigt, ob du Informationen analysieren, Inhalte reduzieren, funktional denken und ein konsistentes Gestaltungssystem entwickeln kannst. Gleichzeitig wird deutlich, ob du lediglich ein einzelnes schönes Bild produzierst oder ob du bereits verstehst, wie Kommunikationsdesign als zusammenhängendes System funktioniert.

Typische Fragen, die eine solche Prüfungsaufgabe beantwortet, sind:

  • Kannst du eine Aufgabenstellung richtig analysieren?
  • Entwickelst du mehrere Ideen oder arbeitest du nur die erste Idee aus?
  • Kannst du komplexe Inhalte auf eine klare Form reduzieren?
  • Denkst du gestalterisch und funktional zugleich?
  • Kannst du Typografie, Form, Farbe und Bildsprache miteinander verbinden?
  • Präsentierst du deinen Entwurf so, dass andere ihn nachvollziehen können?

Genau deshalb gehören Aufgaben aus den Bereichen Markenentwicklung, Logo, Plakat, Editorial Design oder Verpackungsdesign seit vielen Jahren zu den klassischen Bestandteilen von Eignungsprüfungen für Kommunikationsdesign und verwandte Studiengänge.

 

Die Prüfungsaufgabe im Überblick

Für diesen Beitrag orientieren wir uns an einer typischen Gestaltungsaufgabe, wie sie im Umfeld von Eignungsprüfungen für Kommunikationsdesign gestellt werden kann. Vergleichbare Aufgabenstellungen finden sich auch in veröffentlichten Prüfungsbeispielen und Erfahrungsberichten von Bewerberinnen und Bewerbern.

Die Aufgabe lautet:

Entwickle für einen Schraubenhersteller ein Logo und gestalte anschließend eine passende Verpackung.

Auf den ersten Blick wirkt diese Aufgabe überraschend einfach. Ein Unternehmen stellt Schrauben her, benötigt ein Logo und möchte seine Produkte verpacken. Doch gerade die scheinbar einfachen Themen sind in einer Eignungsprüfung anspruchsvoll. Ein Schraubenhersteller besitzt zunächst keine offensichtliche Emotionalität. Es gibt keine elegante Modekollektion, kein luxuriöses Parfüm und kein farbenfrohes Lebensmittel, das automatisch starke Bilder liefert. Die Gestaltung muss deshalb aus den Eigenschaften des Unternehmens und des Produkts entwickelt werden.

Genau darin liegt die eigentliche Qualität der Aufgabe. Gutes Kommunikationsdesign beginnt nicht mit Dekoration. Es beginnt mit der Frage, was eine Marke vermitteln soll.

Warum gerade ein Schraubenhersteller?

Der erste Impuls vieler Bewerber besteht darin, eine Schraube möglichst deutlich in das Logo zu integrieren. Das beobachten wir in unseren Mappenkursen regelmäßig. Eine Schraube wird von oben, von der Seite oder als stilisierte Spirale dargestellt. Diese Ideen sind nicht grundsätzlich falsch. Problematisch wird es erst, wenn der gesamte Entwurf bei der bloßen Abbildung des Produkts stehen bleibt.

Ein Logo muss nicht erklären, wie eine Schraube aussieht. Es soll die Identität des Unternehmens sichtbar machen. Ein Schraubenhersteller verkauft nicht nur Metallteile. Er steht möglicherweise für Präzision, Stabilität, technische Kompetenz, Sicherheit, Belastbarkeit, Qualität und Zuverlässigkeit. Diese Eigenschaften bilden die eigentliche Grundlage für die Gestaltung.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Wie zeichne ich eine Schraube?

Sondern: Wie kann ich Präzision, Stabilität und technische Qualität in eine klare visuelle Form übersetzen?

Mit dieser veränderten Fragestellung öffnet sich der Entwurfsprozess. Plötzlich sind geometrische Systeme, Verbindungen, Drehbewegungen, Raster, Gewindeformen, konstruktive Prinzipien und typografische Lösungen denkbar. Aus einem Gegenstand entsteht ein gestalterisches Thema.

 

Warum viele Bewerber bei solchen Aufgaben scheitern

Die häufigste Ursache ist nicht mangelnde Kreativität. Viele Bewerber beginnen schlicht zu früh mit der Ausarbeitung. Sie sehen die Aufgabenstellung, haben einen ersten Einfall und versuchen sofort, daraus ein fertiges Logo zu zeichnen. Dadurch entsteht zwar schnell ein Ergebnis, aber kaum ein echter Entwurfsprozess.

In einer Eignungsprüfung kann diese Vorgehensweise problematisch sein. Die erste Idee ist selten die differenzierteste. Außerdem bleibt keine Zeit, Alternativen zu vergleichen oder den Entwurf zu verbessern. Wer zu früh ausarbeitet, bindet sich gedanklich an eine Lösung und versucht anschließend, diese um jeden Preis zu retten.

Ein professioneller Designprozess funktioniert anders. Zunächst wird verstanden, gesammelt, ausprobiert und verglichen. Erst danach wird entschieden. Diese Reihenfolge erscheint langsamer, spart in der Praxis aber viel Zeit, weil gestalterische Sackgassen früher erkannt werden.

Unser Lösungsansatz für die Eignungsprüfung

Wir beginnen eine solche Aufgabe grundsätzlich nicht am Computer. Gerade in der frühen Entwurfsphase ist Papier meist das schnellere und offenere Werkzeug. Auf einem Blatt lassen sich innerhalb weniger Minuten zahlreiche kleine Varianten entwickeln. Formen können verbunden, gedreht, vereinfacht und wieder verworfen werden, ohne dass jeder Versuch bereits wie ein fertiger Entwurf wirkt.

Diese analoge Arbeitsweise hat mehrere Vorteile: Sie erzeugt mehr Ideen, erleichtert den Vergleich verschiedener Ansätze und dokumentiert den Gestaltungsprozess. Gerade in einer Bewerbungsmappe oder Eignungsprüfung ist diese Dokumentation wertvoll, weil sie sichtbar macht, dass die finale Lösung nicht zufällig entstanden ist.

Eine sinnvolle Reihenfolge kann so aussehen:

Arbeitsschritt

Ziel

Aufgabe analysieren

Anforderungen und Rahmenbedingungen verstehen

Begriffe sammeln

Eigenschaften und Markenwerte definieren

Scribbles entwickeln

Möglichst viele unterschiedliche Ideen erzeugen

Varianten vergleichen

Starke und schwache Ansätze erkennen

Logo reduzieren

Klarheit, Funktion und Wiedererkennbarkeit verbessern

Entwurf digitalisieren

Proportionen und Details sauber ausarbeiten

Verpackung gestalten

Das Gestaltungssystem auf eine Anwendung übertragen

Mock-up erstellen

Die Wirkung realistisch und überzeugend präsentieren

Diese Struktur gibt besonders unter Zeitdruck Sicherheit. Du musst nicht darauf hoffen, dass dir sofort die perfekte Idee einfällt. Du arbeitest dich Schritt für Schritt zu einer überzeugenden Lösung vor.

Schritt 1: Die Aufgabenstellung richtig analysieren

Der größte Fehler besteht darin, sofort mit dem Zeichnen zu beginnen. Bevor die ersten Scribbles entstehen, sollte geklärt werden, welche Anforderungen die Marke und die Verpackung erfüllen müssen. Schon wenige Minuten Analyse können die spätere Gestaltung deutlich verbessern.

Für den Schraubenhersteller stellen wir uns zunächst folgende Fragen:

  • Wer kauft die Produkte?
  • Werden sie an Privatkunden, Handwerker oder Industriebetriebe verkauft?
  • Steht das Unternehmen eher für günstige Massenware oder für hochwertige Spezialprodukte?
  • Welche Eigenschaften sollen auf den ersten Blick sichtbar werden?
  • Soll die Marke technisch, traditionsbewusst, innovativ oder besonders präzise wirken?
  • Welche Informationen müssen auf der Verpackung schnell erkennbar sein?
  • Wie treten andere Unternehmen dieser Branche auf?

Diese Fragen müssen in einer zeitlich begrenzten Eignungsprüfung nicht in Form einer ausführlichen Marktanalyse beantwortet werden. Es reicht häufig, die wichtigsten Gedanken in Stichworten festzuhalten. Entscheidend ist, dass die Gestaltung nicht aus dem Nichts entsteht, sondern auf einer nachvollziehbaren Positionierung basiert.

Für unser Beispiel definieren wir die zentralen Markenwerte:

Präzision – Stabilität – Qualität – Technik – Zuverlässigkeit

Damit haben wir einen klaren gestalterischen Rahmen. Jede spätere Entscheidung lässt sich daran prüfen. Eine verspielte, organische oder dekorative Form wäre beispielsweise schwerer zu begründen als ein präzises geometrisches System.

Schritt 2: Vom Scribble zum überzeugenden Logo

Nach der Analyse beginnen wir mit kleinen Scribbles. Diese ersten Skizzen müssen weder sauber noch präsentationsfähig sein. Sie dienen ausschließlich dazu, Gedanken sichtbar zu machen. Das Format sollte entsprechend klein bleiben. Wer bereits die erste Idee auf einem großen Blatt ausarbeitet, investiert zu viel Zeit in einen noch ungeprüften Ansatz.

Eine Regel geben wir unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern seit vielen Jahren mit:

Nicht die erste Idee ausarbeiten. Erst mehrere Ideen entwickeln.

Für die Logoentwicklung können unterschiedliche Richtungen untersucht werden. Denkbar wären beispielsweise eine abstrahierte Schraubenform, ein geometrisches Verbindungselement, ein typografisches Monogramm, eine Drehbewegung oder ein Zeichen, das Stabilität und Zusammenhalt vermittelt. Wichtig ist, dass die Varianten tatsächlich unterschiedlich sind. Zehn fast identische Schraubenlogos sind keine zehn Ideen, sondern nur zehn kleine Abwandlungen derselben Idee.

Nachdem mehrere Ansätze entstanden sind, beginnt die Bewertung. Ein professionelles Logo wird nicht einfach ausgewählt, weil es auf den ersten Blick am schönsten wirkt. Es wird geprüft, überarbeitet und reduziert.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Ist das Logo auch in sehr kleiner Größe erkennbar?
  • Funktioniert es in Schwarz-Weiß?
  • Hat es eine klare, unverwechselbare Grundform?
  • Passt seine Wirkung zur Branche und zur definierten Zielgruppe?
  • Lässt es sich auf Verpackungen, Website, Visitenkarten oder Arbeitskleidung einsetzen?
  • Ist es zu kompliziert oder enthält es überflüssige Details?
  • Wirkt es auch ohne zusätzliche Erklärung?

Für unsere Lösung entscheiden wir uns für ein reduziertes Signet aus klaren geometrischen Formen. Die Gestaltung soll technisch, hochwertig und präzise wirken. Statt die Schraube realistisch abzubilden, greifen wir konstruktive Prinzipien des Produkts auf: Verbindung, Drehung, Stabilität und Wiederholung.

Gerade diese Reduktion ist anspruchsvoll. Viele Details zu zeichnen ist häufig leichter, als eine Idee auf wenige charakteristische Elemente zu verdichten. Ein gutes Logo wirkt nicht deshalb professionell, weil viel zu sehen ist, sondern weil jedes Element eine Funktion erfüllt.

 

Warum Schwarz-Weiß der beste Ausgangspunkt ist

Ein häufiger Fehler besteht darin, bereits zu Beginn Farben auszuwählen. Dann wird lange über Blau, Rot oder Grau nachgedacht, obwohl die Grundform des Logos noch nicht funktioniert. Wir empfehlen deshalb, ein Logo zunächst ausschließlich in Schwarz-Weiß zu entwickeln.

Ein starkes Logo muss unabhängig von seiner Farbigkeit bestehen können. Wenn Form, Proportion, Lesbarkeit und Wiedererkennbarkeit bereits monochrom überzeugen, kann später ein passendes Farbkonzept ergänzt werden. Funktioniert das Zeichen nur aufgrund einer besonderen Farbkombination, ist seine gestalterische Grundlage häufig noch nicht stark genug.

In einer Eignungsprüfung hat die Schwarz-Weiß-Entwicklung zusätzlich einen praktischen Vorteil: Sie spart Zeit. Du konzentrierst dich auf die wesentlichen Kriterien und vermeidest, dich zu früh in geschmacklichen Farbentscheidungen zu verlieren.

Die Digitalisierung des Logos

Erst wenn der analoge Entwurf überzeugt, wechseln wir in die digitale Ausarbeitung. Nun werden Linien, Abstände und Proportionen präzisiert. Dabei sollte die Digitalisierung nicht dazu dienen, einen schwachen Entwurf technisch sauber aussehen zu lassen. Der Computer verbessert keine schlechte Grundidee. Er macht sie lediglich exakter.

Bei der digitalen Umsetzung prüfen wir besonders:

  • Sind alle Abstände bewusst gewählt?
  • Sind Linien und Flächen optisch ausgewogen?
  • Funktioniert das Zeichen in verschiedenen Größen?
  • Ist die Typografie passend zum Signet?
  • Wirken Wortmarke und Bildmarke als Einheit?
  • Gibt es eine klare Schutz- und Freifläche?
  • Funktioniert das Logo auf hellem und dunklem Hintergrund?

Gerade bei geometrischen Zeichen ist nicht nur mathematische Genauigkeit wichtig. Manche Abstände müssen optisch korrigiert werden, damit sie tatsächlich ausgewogen wirken. Diese Feinheiten unterscheiden eine bloße Reinzeichnung von einer gestalterisch durchdachten Ausarbeitung.

Schritt 3: Die Verpackung als Teil der Markenidentität

Nach der Logoentwicklung folgt die Verpackung. Viele Bewerber behandeln beide Aufgaben unabhängig voneinander: Zuerst entsteht ein Logo, danach wird irgendeine Schachtel gestaltet. Aus Sicht des Kommunikationsdesigns ist das zu kurz gedacht. Eine Verpackung ist keine zusätzliche Dekorationsfläche, sondern ein wichtiger Bestandteil der Markenidentität.

Sie übernimmt die Formen, Farben, typografischen Regeln und die visuelle Haltung des Logos. Ein technischer, präziser Markenauftritt sollte sich daher auch in der Verpackung wiederfinden. Für unser Beispiel arbeiten wir mit klaren Linien, ruhigen Flächen, einer reduzierten Farbigkeit und einer eindeutigen Typografie. Dadurch entsteht ein konsistentes Gestaltungssystem.

Vor der eigentlichen Gestaltung muss außerdem geklärt werden, für welchen Markt das Produkt gedacht ist. Eine hochwertige Spezialschraube für Industrie oder Handwerk benötigt eine andere Verpackung als ein günstiges Baumarktprodukt. Zielgruppe und Vertriebsumfeld beeinflussen Materialwirkung, Informationsdichte, Farbigkeit und Tonalität.

Eine professionelle Verpackung beantwortet deshalb nicht nur die Frage: Wie sieht das Produkt aus? Sie beantwortet auch: Für wen ist es gedacht, in welchem Umfeld wird es verkauft und welche Qualitätsstufe soll es vermitteln?

Verpackungsdesign ist immer auch Informationsdesign

Eine Verpackung besteht nicht nur aus Logo, Farbe und einer schönen Grafik. Sie muss Informationen ordnen und eine klare Hierarchie schaffen. Betrachterinnen und Betrachter möchten innerhalb weniger Sekunden erkennen, welches Produkt angeboten wird, wofür es geeignet ist und wodurch es sich von anderen Produkten unterscheidet.

Bei Schrauben können beispielsweise folgende Angaben relevant sein:

  • Produktbezeichnung
  • Größe und Länge
  • Material
  • Kopfform
  • Antrieb
  • Anzahl der Schrauben
  • Einsatzbereich
  • technische Eigenschaften

Nicht alle Angaben besitzen dieselbe Bedeutung. Deshalb müssen sie gestalterisch gewichtet werden. Die wichtigste Information erhält die größte Aufmerksamkeit. Zusätzliche technische Angaben werden kleiner, aber weiterhin gut lesbar dargestellt.

Eine klare Informationshierarchie verbessert nicht nur die Funktion der Verpackung. Sie wirkt häufig auch professioneller, weil das Auge sofort versteht, wo es beginnen soll. Gute Gestaltung schafft Orientierung.

Ein konsistentes Gestaltungssystem entwickeln

Für die Verpackung übernehmen wir nicht einfach das Logo und platzieren es mittig auf der Vorderseite. Stattdessen entwickeln wir aus dem Logo ein System. Formen, Linien oder geometrische Prinzipien des Signets können wiederholt, vergrößert oder als strukturierendes Element eingesetzt werden. Auch Typografie, Abstände und Flächenaufteilung folgen derselben gestalterischen Logik.

Dadurch entsteht ein Markenauftritt, der sich später auf weitere Produkte übertragen lässt. Unterschiedliche Schraubentypen könnten beispielsweise über Farben, Nummern oder grafische Codes unterschieden werden, ohne dass jede Verpackung vollständig neu gestaltet werden muss.

Genau dieses systematische Denken ist in einer Eignungsprüfung besonders wertvoll. Es zeigt, dass du nicht nur eine einzelne schöne Fläche gestalten kannst, sondern in Anwendungen und Produktreihen denkst.

 

Schritt 4: Vom Entwurf zum digitalen Mock-up

Nach Logo und Verpackung beginnt ein Arbeitsschritt, den viele Bewerber unterschätzen: die Präsentation. Selbst ein gutes Konzept kann an Wirkung verlieren, wenn es lediglich als flache Zeichnung oder unübersichtlicher Screenshot gezeigt wird.

Ein Mock-up simuliert das fertige Produkt. Es zeigt die Verpackung räumlich, macht Proportionen sichtbar und vermittelt einen Eindruck davon, wie das Design im realen Einsatz wirken könnte. Professorinnen und Professoren sehen dadurch nicht nur eine grafische Fläche, sondern können sich die Anwendung wesentlich besser vorstellen.

Ein Mock-up ersetzt allerdings nicht den Entwurfsprozess. Es darf nicht dazu dienen, eine schwache Gestaltung durch Licht, Schatten und eine spektakuläre Perspektive aufzuwerten. Die Reihenfolge bleibt entscheidend:

  1. Idee entwickeln
  2. Gestaltungssystem festlegen
  3. Verpackung ausarbeiten
  4. Mock-up zur Präsentation einsetzen

Für eine Eignungsprüfung genügt häufig bereits eine klar gestaltete, glaubwürdige Darstellung. Entscheidend ist nicht, ein fotorealistisches Werbebild zu produzieren. Das Mock-up soll die Qualität des Entwurfs verständlich machen.

Wie sollte die finale Präsentation aufgebaut sein?

Eine gute Präsentation zeigt nicht nur das Endergebnis, sondern auch die wichtigsten Schritte davor. Gerade bei einer komplexeren Aufgabe wie Logo und Verpackung sollte der Betrachter den Entwicklungsweg auf einen Blick nachvollziehen können.

Eine sinnvolle Präsentationsreihenfolge wäre:

  • kurze Analyse und zentrale Markenbegriffe
  • ausgewählte Scribbles
  • zwei oder drei weiterentwickelte Logoansätze
  • finale Logoentscheidung
  • typografische und farbliche Grundlagen
  • erste Verpackungsvarianten
  • finale Verpackung
  • realistisches Mock-up

Dabei gilt: Nicht jede Skizze muss gezeigt werden. Eine überzeugende Präsentation ist keine vollständige Dokumentation aller Versuche. Sie zeigt die Schritte, die für das Verständnis der Lösung wichtig sind.

 

Typische Fehler bei Logo und Verpackung

In unseren Mappenkursen sehen wir bestimmte Fehler immer wieder. Sie entstehen meist nicht aus mangelndem Talent, sondern aus Zeitdruck und fehlender Struktur.

Nur eine Idee entwickeln

Wer ausschließlich die erste Idee ausarbeitet, kann keine bewusste Auswahl treffen. Selbst wenn der Entwurf akzeptabel ist, bleibt unklar, ob eine stärkere Lösung möglich gewesen wäre. Mehrere unterschiedliche Scribbles zeigen dagegen, dass du Varianten prüfen und Entscheidungen treffen kannst.

Das Produkt zu wörtlich darstellen

Ein Schraubenhersteller benötigt nicht zwangsläufig eine realistisch gezeichnete Schraube als Logo. Eine direkte Darstellung kann funktionieren, wirkt aber schnell austauschbar. Stärker ist häufig eine abstrahierte Idee, die Eigenschaften wie Präzision, Verbindung oder Stabilität vermittelt.

Zu viele Details verwenden

Feine Linien, kleine Schatten und komplexe Formen funktionieren vielleicht in einer großen Präsentation, versagen aber auf kleinen Verpackungen, Etiketten oder digitalen Anwendungen. Ein Logo muss auch in geringer Größe klar erkennbar bleiben.

Farbe zu früh festlegen

Farbe kann eine schwache Form kurzfristig interessanter erscheinen lassen. Deshalb sollte das Zeichen zunächst in Schwarz-Weiß funktionieren. Erst danach wird entschieden, welche Farbwelt die Markenwerte unterstützt.

Logo und Verpackung getrennt behandeln

Wenn Logo, Typografie, Farbe und Verpackung keinerlei gestalterische Verbindung besitzen, entsteht kein glaubwürdiger Markenauftritt. Die Verpackung muss das zuvor entwickelte System konsequent weiterführen.

Zu wenig auf die Informationshierarchie achten

Eine Verpackung kann optisch ansprechend sein und trotzdem schlecht funktionieren. Wenn Produktname, Größe, Menge und technische Angaben nicht klar gegliedert sind, fehlt die notwendige Orientierung.

Nur das Endergebnis zeigen

Ein fertiges Mock-up sieht professionell aus, beweist aber noch keinen eigenständigen Entwurfsprozess. Gerade in einer Bewerbungsmappe sollten Analyse, Scribbles und Varianten sichtbar bleiben.

Was wird in einer Eignungsprüfung Kommunikationsdesign tatsächlich bewertet?

Die Bewertungskriterien unterscheiden sich je nach Hochschule und Aufgabenstellung. Dennoch lassen sich aus unserer langjährigen Arbeit mit Bewerberinnen und Bewerbern einige wiederkehrende Schwerpunkte ableiten.

Bewertet werden häufig:

  • Ideenvielfalt
  • konzeptionelles Denken
  • gestalterische Klarheit
  • Eigenständigkeit
  • Fähigkeit zur Reduktion
  • sinnvoller Einsatz von Typografie und Farbe
  • nachvollziehbarer Arbeitsprozess
  • Qualität der Präsentation
  • Umgang mit der verfügbaren Zeit

Perfektion steht dabei selten an erster Stelle. Eine eigenständige, gut begründete Lösung mit sichtbarem Entwicklungsprozess kann deutlich überzeugender sein als ein technisch sauberes, aber austauschbares Ergebnis.

Wie viel Zeit sollte man für die einzelnen Schritte einplanen?

Die genaue Zeiteinteilung hängt von der Dauer der Prüfung ab. Grundsätzlich sollte jedoch nicht die gesamte Zeit in die Reinzeichnung fließen. Eine mögliche Orientierung ist:

  • etwa 15 Prozent für Analyse und Begriffssammlung
  • etwa 30 Prozent für Scribbles und Varianten
  • etwa 25 Prozent für Auswahl und Logoentwicklung
  • etwa 20 Prozent für die Verpackung
  • etwa 10 Prozent für Präsentation und Kontrolle

Diese Verteilung ist keine starre Regel. Sie zeigt aber, dass ein erheblicher Teil der Zeit vor der finalen Ausarbeitung liegt. Wer nach fünf Minuten bereits mit dem Endergebnis beginnt, überspringt genau die Schritte, in denen die eigentliche gestalterische Qualität entsteht.

 

Häufige Fragen zur Eignungsprüfung Kommunikationsdesign

Muss ich für Kommunikationsdesign perfekt zeichnen können?

Nein. Zeichnerische Fähigkeiten sind hilfreich, aber nicht das einzige Kriterium. Hochschulen achten auch auf Ideen, Wahrnehmung, konzeptionelles Denken, Eigenständigkeit und die Fähigkeit, Gestaltung nachvollziehbar zu entwickeln. Gerade bei Logo- und Verpackungsaufgaben sind klare Scribbles oft wichtiger als realistische Zeichnungen.

Soll ich in der Eignungsprüfung analog oder digital arbeiten?

Das hängt von der Aufgabenstellung und den erlaubten Hilfsmitteln ab. Für die Ideenentwicklung ist analoges Arbeiten häufig besonders schnell und flexibel. Die spätere Ausarbeitung kann digital erfolgen, sofern dies vorgesehen und zeitlich realistisch ist.

Wie viele Logoideen sollte ich entwickeln?

Es gibt keine feste Zahl. Entscheidend ist, dass verschiedene gestalterische Richtungen untersucht werden. Fünf wirklich unterschiedliche Ideen sind wertvoller als zwanzig nahezu identische Varianten.

Muss ein Logo immer ein Symbol enthalten?

Nein. Ein Logo kann aus einer Wortmarke, einem Monogramm, einem abstrakten Signet oder einer Kombination bestehen. Die Form sollte zur Marke, Zielgruppe und Anwendung passen.

Wie wichtig ist ein Mock-up?

Ein Mock-up kann die Präsentation deutlich verbessern, weil es die Anwendung realistisch sichtbar macht. Es ersetzt aber weder die konzeptionelle Idee noch den dokumentierten Entwurfsprozess.

Darf ich mich an bestehenden Marken orientieren?

Recherche gehört zum Designprozess. Du solltest bestehende Marken analysieren, um typische Lösungen, visuelle Codes und mögliche Wiederholungen zu erkennen. Die eigene Gestaltung sollte jedoch nicht kopieren, sondern eine nachvollziehbare und eigenständige Position entwickeln.

Was ist wichtiger: Logo oder Verpackung?

Beide Aufgaben gehören zusammen. Das Logo bildet einen zentralen Bestandteil der Markenidentität, während die Verpackung zeigt, ob das entwickelte System auch in einer konkreten Anwendung funktioniert. In einer guten Lösung stärken sich beide Elemente gegenseitig.

Unser Fazit aus langjähriger Mappenkurs-Erfahrung

Eine Eignungsprüfung im Kommunikationsdesign wird deutlich leichter, wenn du nicht auf den spontanen Geistesblitz wartest, sondern mit einem klaren Prozess arbeitest. Analysiere zuerst die Aufgabe, definiere die wichtigsten Eigenschaften, entwickle mehrere unterschiedliche Scribbles und entscheide dich erst danach für eine Richtung.

Ein gutes Logo entsteht durch Reduktion, Prüfung und Überarbeitung. Eine gute Verpackung führt diese Gestaltung konsequent weiter und ordnet gleichzeitig alle notwendigen Informationen. Das Mock-up bildet schließlich den Abschluss und zeigt, wie die Idee in der Realität wirken könnte.

Der wichtigste Punkt bleibt jedoch der Weg zwischen Aufgabenstellung und Ergebnis. Hochschulen möchten erkennen, wie du denkst. Zeige deshalb nicht nur, was du gestaltet hast, sondern auch, warum du dich für diese Lösung entschieden hast.

Genau dieser nachvollziehbare Entwurfsprozess wird in unseren Mappenkursen der Akademie Ruhr regelmäßig trainiert. Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen nicht, fertige Lösungen zu kopieren. Sie lernen, offene Gestaltungsaufgaben selbstständig zu analysieren, Ideen zu entwickeln und überzeugend zu präsentieren.

Wer diesen Prozess beherrscht, geht wesentlich sicherer in eine Eignungsprüfung – unabhängig davon, ob die Aufgabe ein Logo, eine Verpackung, ein Plakat oder ein vollständiges Kommunikationskonzept verlangt.

Die Fassung enthält insgesamt genau drei Bildpositionen und kann so direkt in den Blog übernommen werden.


Du möchtest tiefer in das Thema einsteigen? Dann schau dir das komplette Video auf unserem YouTube-Kanal an.

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Bilder: Akademie Ruhr